© Georg   Müller
       Ganderkesee

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Umweltschutzausschußsitzung vom 18.5.1998

 Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Vorsitzender

 Bericht und Vorschläge der NAG zur Situation der Wallhecken in Ganderkesee

Die Gemeinde Ganderkesee hat sich zu dem Agenda Prozeß positiv erklärt. Die Agenda bezeichnen wir auch als Generationenschutzvertrag für alle Lebewesen und Kulturgüter.

Wir sind eine Wertegesellschaft deren Werte sich nicht nur aus der gemeinsamen Sprache sondern  unter anderem auch aus der gemeinsamen Kultur, Kulturlandschaft, und Kulturgüter über Jahrhunderte bzw. Jahrtausende gebildet haben. Wallhecken prägten Jahrhunderte/Jahrtausende  nicht nur unsere Landschaft sondern auch unsere Lebensweise. Sie zeugen von einem bodenständigen und doch bewegt geprägten Leben, das nicht ohne Entbehrungen war.

Wenn wir  den Rückgang der Werte in der Gesellschaft beklagen, dann kommen wir nicht um hin nach den Ursachen zu forschen.  Unsere Wallheckenlandschaft und das Kulturgut Wallhecke  eignet sich hierfür in besonderer Weise. Denn  wir sind im Begriff  unsere Wallhecken für immer, trotz besseren Wissen und gesetzlichen Schutz,  in weniger als einer Generation zu verlieren. Damit wird auch ein Stück Heimat  und einer unserer landschaftlich kulturellen Wurzeln nicht mehr vorhanden sein. Wir schauen meist schweigend dieser Entwicklung, der Vernichtung des Kulturerbes Wallhecke, trotz teilweise besseren Wissen zu. Vielen ist der  Wert der Wallheckenlandschaft für Heimat, Natur und Landschaft nicht mehr bekannt. Einigen nicht belehrbaren Landschaftsnutzern, die nur eigennützig und kurzfristig denken, sind die Wallhecken ein Dorn im Auge. Dieser Tagesordnungspunkt soll hier einen Wendepunkt in der gemeindlichen Wallheckenerhaltung und Neuanlage einleiten. Wallhecken und die damit verbundenen Lebensgemeinschaften brauchen Freunde, werden Sie alle Freunde, Freunde der Wallhecken! Lassen Sie uns hier und heute, einen auf Dauer ausgerichteten Generationenvertrag schließen, um die Wallhecken und unsere Wallheckenlandschaft  auch für die uns nachfolgenden Generationen zu  sichern und zu erhalten.

81 % = 225 Km der  noch in der Gemeinde Ganderkesee vorhandenen Wallhecken haben starke Eingriffe. 78 % = 176 km werden durch Überweidung gefährdet bzw. zerstört. Der Landkreis hat in der Gemeinde Ganderkesee nur ca. 10 Km in 11 Jahren auszäunen lassen. Das heißt jedes Jahr wurden nur  rund 0,9 km Wallhecken ausgezäunt. Bei dieser Auszäunungsgeschwindigkeit werden wir 195 Jahre brauchen bis alle gefährdeten Wallhecken ausgezäunt sind, dann wird es aber kaum noch etwas zum auszäunen geben. Wie wir jetzt bei einer Überprüfung festgestellt habe, wird pro 10 Jahre der Wall je nach Höhe, Breite und Intensität um 10 –30 cm heruntergeweidet. Das heißt, daß ein 1m hoher Wall in ca. 35- 100 Jahren und ein 50 cm Wall in 17 –50 Jahren nicht mehr vorhanden sein wird. Der Rückgang der Tier und Pflanzenwelt wird entsprechend sein, die Roten Listen immer länger. Dagegen können und müssen wir etwas tun, wenn wir nicht im Agendaprozeß, aber vor allem vor uns selbst nicht unglaubwürdig werden wollen. In einem flächendeckenden Biotopverbundsystem eignet sich kein Landschaftsbestandteil  besser  als die Wallhecke mit ihrem Bestand von bis 1800 Tier und mehr als 2000 Pflanzen und Pilzarten als Verbindungsglied in der Landschaft. Die Wallhecke spielt in unserem Ökosystem eine herausragende Rolle, der  Heimatliche, Kulturelle und Erholungswert ist ebenso hoch anzusetzen. Nicht zu verschweigen ist, daß die Gemeinde Ganderkesee dank der Unterstützung, der Rats- und Ausschußmitglieder sowie der Gemeindeverwaltung einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Erhalt unserer Wallheckenlandschaft geleistet hat. Hierfür sei allen gedankt. Aber diese Maßnahmen reichen nicht aus um die Vernichtung unserer Wallheckenlandschaft zu stoppen. Denn nur 4,5% der 1842 vorhandenen, gleich 19 % der heute noch vorhandenen, Wallhecken sind in einem guten Zustand, der Rest mehr oder minder  bis fast zur Unkenntlichkeit degradiert. Über 1093 km = 80% der 1842 noch vorhandenen Wallhecken vernichtet.

Um hier eine wesentliche Besserung zu erreichen schlage ich daher vor:

1.    daß regelmäßige Informationsveranstaltungen in den Ortschaften und Schulen durchgeführt werden, um dort über den besonderen Schutzstatus und Wert der Wallhecken zu informieren.

2.    das die Gemeinde sich  verpflichtet, jährlich eine Mindestlänge Wallhecken anzulegen.

3.    die Gemeinde sich verpflichtet, innerhalb 5 Jahren alle in Gemeindebesitz befindlichen Wallhecken, soweit erforderlich  pflegt und soweit nicht mehr vorhanden wiederherstellt.

4.    die Gemeinde Ganderkesee einmal jährlich den Tag der Wallhecke einführt. An diesem Tag soll gemeinsam mit der Bevölkerung eine neu angelegte Wallhecke bepflanzt oder eine Wallhecke gepflegt werden.

5.    das die früher üblichen Wallheckenschau wieder eingeführt wird. Die Wallheckenschaukommission sollte aus je einem Vertreter der im Rat vertretenen Parteien,  der Gemeindeverwaltung, der Landwirtschaft und der  Naturschutzverbände bestehen. Aufgabe der Wallheckenschau soll sein , daß alle im Gemeindegebiet noch vorhandenen Wallhecken; Stand 1989 NAG Kartierung und nachfolgend neu angelegte Wallhecken, in einem schaufreien Zustand sind.

 Gerade durch die Einführung solch einer Wallheckenschaukommission können Konflikte zwischen Naturschutz und Landwirtschaft vermieden werden.

Bei Ihrer jetzigen Beratung vergessen sie nicht, daß sie eine ganz besondere Verantwortung gegenüber unseren uns nachfolgenden Generationen haben. Wer wirklich „Schöpfung bewahren und erhalten will“ kann diesen Vorschlägen nur zustimmen.

 Georg Müller

1 Vorsitzender