© Georg   Müller
       Ganderkesee

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Wallheckenentstehung

Erste Wallhecken entwickelten sich aus dem Flechtsteckzaun und der Trockenstrauchhecke vor mehr als fünftausend Jahren v.Chr. als primitive Schutzwehren gegen Wildtiere und plündernde Horden. In dieser Zeit entstanden auch die sogenannten Heinrichsburgen (etwa im 8. bis 9. Jahrhundert n.Chr.). Das sind große Ringwälle, die zur Verteidigung gegen kriegerische Horden angelegt wurden, mit einer Höhe von etwa 8 bis 10 Metern (Heidenwall Delthun, Gemeinde Ganderkesee).

 Ebenso alt dürften Wallhecken sein, die um das wertvolle Ackerland, den sogenannten Esch, angelegt wurden. Diese Wallhecken dienten zur Vieh- und Wildabwehr, sowie als Eschgrenze zur Gemeinheit hin.

Um das 11. und 12. Jahrhundert entstanden die ersten Kämpe. Dieses Privateigentum mußte mit Wallhecken als fester Grenze umwallt werden. In dieser Zeit dürfte auch landesweit die erste Generation von Wallhecken großflächig entstanden sein, häufig allein zur Abgrenzung adliger Besitzungen.

Im darauffolgenden 13. bis 15. Jahrhundert entstanden Wallhecken aus verteidigungs- und kriegspolitischen Erwägungen, aber auch, um territoriale Grenzen, wie zum Beispiel Grafschaftsgrenzen, durch Landwehren zu schützen.

Vom 16. bis 17. Jahrhundert an wurden Wallhecken aus wirtschaftlichen Gründen angelegt, nachdem die Wälder zu großen Teilen abgeholzt, die Äcker ausgelaugt, die Heiden abgeplackt und völlig überweidet waren. Die Wallhecken dienten als Sandfänge, Schutzwälle für Forstgutaufzuchtsflächen und zur Holzerzeugung ohne feste Grundstücksgrenzen, um der Bodenerosion und Holznot Herr zu werden.

Ab 1639 durfte im Land Oldenburg kein Baum mehr ohne ausdrückliche herzogliche Erlaubnis gefällt werden. Jeder Staats- und Privatforst mußte zum Schutz gegen das weidende Vieh der Gemeinheit umwallt werden.

Von 1677 an waren im oldenburgischen herrschaftlichen Forst, in den Gemeinschaftsholzungen, in Privatholzungen und in den Gärten am Haus "Baumaufzuchtskämpe" mit einer umgebenden Wallhecke anzulegen. Diese Maßnahme sollte die Gewähr bieten für erosionsgeschützte Bereiche mit Jungpflanzungen (Schonungen).

Zur gleichen Zeit und früher entstanden auch Wallhecken an den Hofeinfahrten, die mehr als 100 Meter lang sein konnten, zwar den Weg beiderseits abgrenzten, aber keine Grenzfunktion hatten. Um dem Zugriff höherer Stellen zu entgehen, wurden alle bäuerlichen Privatländereien umwallt. Denn nur was eingewallt war, ging nicht in fürstlichen Besitz über.

Durch die Agrarreform des 19. Jahrhunderts, der Gemeinheitsteilung von 1804/1806 im Herzogtum Oldenburg, dem Urbarmachungsedikt von 1765 im Königreich Preußen (für Ostfrießland)  entstanden in zweiter Generation eine Vielzahl neuer Wallhecken. Diese Wallhecken wurden vor allem als Grundstücksgrenze, aber auch zur Vieheinzäunung, als Windschutz (Erosionsschutz) und zur Holzerneuerung für allerlei Gerätschaften in „geraden“ Linien angelegt.

In letztem Jahrhundert, besonders in den letzten zehn Jahren, wurden Wallhecken aus anderen Gründen neu eingerichtet. Die Veranlassung dazu gaben ökologische Überlegungen, aber im gärtnerischen Bereich auch gestalterische sowie Lärmschutz- und Naturschutzplanungen. Schließlich werden sie von Fall zu Fall als optischer Ausdruck einer festen Grundstücksgrenze angelegt.

© : Georg Müller      E-Mail: info@wallhecke.de
Weiterführende Literatur: "Wallhecken" Georg Müller, 1989 BSH Verlag, / "Wallhecken / Knicks' Georg Müller, Neuerscheinung 2002/3